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Du gehst in eine Bank und willst dich ein wenig zu dem Thema Geld anlegen beraten lassen. Da die Beratung nach einem bestimmten Muster abläuft, stellt dir dein Bankverkäufer bald folgende Frage:

„Welcher Anlagetyp sind sie denn?“

Du hast keine Ahnung was er von dir will. Das  zeigst du deinem Gegenüber mit einem von Gesichtsmuskeln geformten Fragezeichen.

Mit dem Schubladendenken bekommst du genau die für dich passenden Anlagemöglichkeiten vorgesetzt. Meist unterscheiden sich je nach Anwender zwischen 3 und 5 Anlagetypen. Irgendwas zwischen panischer Verzweiflung, wenn auch nur 1 Cent das Konto Richtung Börse verlässt, und der High-End-Spekulation, indem man auch die eigene Mutter verwetten würde.

Eine dauerhafte Eingruppierung in eine der 5 folgenden Anlagetypen, insbesondere am Anfang eines Anlegerlebens, macht allerdings keinen Sinn.

 

Welche Anlagertypen gibt es

 

Auf die folgenden 5 Anlagetypen wirst du am häufigsten stoßen. Sie müssen nicht überall gleich heißen, die Beschreibungen sind allerdings ähnlich.

  • Der Sicherheitsorientierte

Der Sicherheitsorientierte findet keinerlei Anlass sein Geld an die Börse zu bringen. Die dort ansässige Finanz-Elite verzockt skrupellos das Geld seiner Kunden. Aktien sind wie ein rotes Tuch und daher nichts für Normalsterbliche. Es wird kein Ereignis eintreten, an dem er seine Entscheidung diesbezüglich ändern würde.

Er mag es wenn sein Geld stetig, wenn auch sehr langsam, wächst. Auch wenn das Kapital von Jahr zu Jahr inflationsbedingt weniger wert ist, lässt ihn der Gedanke an durchgehend schwarze Zahlen auf seinem Depotauszug ruhig schlafen. Prio 1 ist die Substanzerhaltung seines Kapitals.

Das höchste der Gefühle für ihn sind Geldmarktfonds, Tagesgeldkonten oder das gute alte Sparbuch. Eine Immobilie baut er wahrscheinlich mit einem vorangegangenen Bausparvertrag, da hier auch alles garantiert ist.

Der Super-Sicherheitsorientierte legt nochmal eine Schippe drauf. Er findet sogar Banken zu risikoreich und stapelt somit sein Geld zu Hause. Der Safe im Schlafzimmerschrank scheint ihm die sicherste Form der Finanzverwahrung zu sein.

  • Der Konservative

Der Konservative hat schon das Gefühl entwickelt, dass Geld arbeiten kann. Das wünscht er auch, aber trotzdem noch mit hohem Sicherheitspolster. Auch er beschließt, dass Aktien nur für Zocker oder Wirtschaftsstudierte sind. Er behält lieber das Altbewährte im Auge und macht sich nichts aus neuen Finanz-Erfindungen.

Den Gedanken, dass sein Geld stetig wächst, findet er schön. Wobei der Werterhalt das wichtigste ist. Er sucht dabei Anlagemöglichkeiten mit geringen Bonitätsrisiken, indem Kapitalverluste unwahrscheinlich sind.

Somit treffen Rentenfonds, Geldmarktfonds und auch offene Immobilienfonds genau seinen Geschmack. Selbst das Wissen über die hohen Kosten von Fonds, hindert ihn nicht daran. Das Geld zahlt er gern für mehr Sicherheit.

Das Verhältnis von Risiko und Rendite lässt ihn morgens in Ruhe seinen Kaffee trinken, da er nicht hastig den Wirtschaftsteil in der Zeitung aufschlagen muss.

  • Der Ertragsorientierte

Schon etwas mehr darf es für den Ertragsorientierten sein. Mit dem normalen Zinsniveau lässt er sich nicht abspeisen. Seine Geldanlagen sollen demnach auch Erträge erwirtschaften. Aber nicht um jeden Preis.

Geringe Kursschwankungen werden in Kauf genommen und machen diesen Anleger nicht nervös. Sicherheit steht dem Ertragsorientierten ungefähr im gleichen Verhältnis zum Risiko. Kurzfristige Bonitätsrisiken bei Anlageprodukten werden in Kauf genommen, nur wenn mittel- bis langfristig die Rendite über dem Zinsniveau liegt.

Dem Ertragsorientierten sind die Aktien-Potentiale bewusst. Aus diesem Grund besteht ein kleiner Anteil seines Depots eben aus dieser Asset-Klasse. Der überwiegende Anteil des Depots wird durch risikoärmere Bestandteile dargestellt. Diese minimieren nicht nur Kursschwankungen, sondern auch den Puls des Anlegers.

Zu den oben genannten Fonds des konservativen Anlegers, gesellen sich jetzt auch Aktienbestandteile. Wohl eher in Form von Fonds, als einzelne Aktien. Zudem wird das Depot auch internationaler. Die Chancen am Weltmarkt nimmt der Ertragsorientierte schon etwas mehr wahr.

  • Der Wachstumsorientierte

Jetzt wird es ertragstechnisch schon interessanter. Der Wachstumsorientierte will langfristig eine hohe Rendite erwirtschaften. Die Erwartungen gehen über den marktüblichen Zinssatz hinaus.

Dafür schockieren den Anleger auch kurzfristige Schwankungen nicht. Er ist sich bewusst, dass der Markt nicht gradlinig verläuft. Rational-ferne Anleger lassen den Markt überbewerten und dieser korrigiert sich dann wieder nach unten.

Das Wissen über diese Anpassungen nutzt der Anleger für sich und sitzt Korrekturen aus. Wachstumsorientierte mit besonders starken Nerven, kaufen hier sogar zu. Wenn alle aussteigen weiß er, jetzt ist Schnäppchen-Zeit.

Sein Depot ist weit gestreut mit einem hohen Aktienanteil. Er ist nicht nur Teilhaber von Firmen aus entwickelten Ländern, sondern sieht die Wachstumschancen auch in den Entwicklungsländern.

Starke Nerven, ein niedriger Blutdruck und risikofreudigere Nerven sind die Hauptmerkmale dieses Anlegers.

  • Der Chancenorientierte

Nichts geht über eine hohe Rendite. Auch als Spekulant bezeichnend ist diese Art des Anlegers alles andere als geduldig. Wenn der sicherheitsorientierte Anleger sich nicht mal Synchronschwimmen im Fernsehen ansieht, springt der Chancenorientierte mit Bike über den Bergen aus einem Flugzeug.

Fast jede Chance wird wahrgenommen. Was nicht gut läuft, wird schnell wieder liquidiert, um Cash für die nächste Anlage zu haben. Sehr oft werden die Bestandteile umgeschichtet, teilweise sogar täglich.

Starke Schwankungen in seinem Depot sind üblich. Die Renditeerwartungen aber dementsprechend hoch. Kaum eine Investitionsmöglichkeit ist zu heiß. In Derivaten, Hedge-Fonds und Optionsscheinen sieht er hervorragende Erfindungen der Finanz-Eliten, um die Investments noch schneller größer werden zu lassen.

 

Das sind die häufigsten Anlagetypen auf die du stoßen wirst, sobald du dich „professionell“ beraten lässt. Aber auch im Netz wirst du mit diesen Typen konfrontiert und es wird der Frage nachgegangen, wie du dich dort selbst wiederfindest.

Schon beim Lesen der Beschreibungen hast du dich selbst automatisch katalogisiert. Diese Einschätzung ist aktuell auch vollkommen legitim. Sie funktioniert jetzt noch.

Morgen könnte das schon ganz anders aussehen. Dein Leben verändert sich ständig. Insbesondere bei einem langen Anlagehorizont wirst du mehrere Anlagetypen durchleben, wahrscheinlich sogar mehrmals.

 

Grund 1: Familie

 

Sobald du dein Elternhaus verlässt, startest du wahrscheinlich als Single. Du bist nur für dich allein verantwortlich und musst niemanden Rechenschaft ablegen.

Im Laufe der Zeit wirst du jemanden kennenlernen, das Single-Da-Sein hat ein Ende. Ebenso die Laissez-faire Einstellung. Das Dach über deinem Kopf musst du jetzt teilen. Damit wächst dein Verantwortungsbereich und schließt eine weitere Person mit ein.

Ein Risiko einzugehen ist nun schon etwas schwieriger. Die Schwierigkeit wächst deutlich an, wenn aus der Zweisamkeit plötzlich drei oder mehr Personen entstehen.

Genauso schrumpft aber dein Verantwortungsbereich wieder, wenn die Kleinen das Nest wieder verlassen.

Dein Familienleben wird sich im Laufe der Jahre mehrfach ändern und somit auch dein Verantwortungsbewusstsein für andere Mitmenschen. Je nachdem wie groß deine Familie ist, wächst oder schrumpft deine Risikotoleranz.

 

Grund 2: Job und Einkommen

 

Deine ersten Einkommen durch Ausbildung oder in der Zeit des Studiums, füllen dein Konto im Schneckentempo an, wenn überhaupt. Viel Luft bleibt dir nicht, um große Wünsche zu erfüllen.

Deine Risikotoleranz ist in diesem Zeitabschnitt auch am Boden. Dein Gefühl sagt dir, dass du es dir einfach nicht leisten kannst, Geld zu verlieren.

Nach Ausbildung und Studium wächst dein Einkommen meistens stark an. Du machst Karriere, wechselst zu besser bezahlten Jobs oder nimmst einfach nur die Gehaltserhöhungen durch das Anwachsen deiner Berufsjahre mit.

Egal wie, wenn dein Einkommen steigt, steigt auch deine Risikotoleranz. Du hast mehr Geld zur Verfügung und bist nicht mehr zum Überleben auf jeden Cent angewiesen.

Die Spirale funktioniert auch anders herum. Wenn du deinen Job verlierst oder aus anderen Gründen schlechter bezahlte Arbeiten ausführen musst, sinkt deine Risikotoleranz.

Du kennst auch Leute die mal arbeiten und mal eine Zwangspause einlegen. Sei es durch Saisonarbeiten oder einem ungünstigen Arbeitsmarkt in der betreffenden Branche. Ihre Risikotoleranz schwankt im Laufe des Lebens wie eine Sinuskurve, sie steigt und fällt.

Deine Toleranz ist also abhängig von einem Job, die Sicherheit diesen zu behalten, die Möglichkeit sich im Job weiterzuentwickeln und die daraus resultierende Höhe deines Einkommens.

 

Grund 3: Ausgaben

 

Mein Arbeitsplatz befindet sich ca. 5 Minuten entfernt von mir. 5 Minuten mit dem Fahrrad. Ich bin nicht auf ein Auto angewiesen. Nur meine Frau ist auf ein Auto angewiesen. Allerdings sparen wir uns in unserer kleinen Familie den Luxus eines zweiten Fahrzeugs.

Bei dir mag es anders aussehen. Vielleicht bist du bzw. seid ihr auf zwei Fahrzeuge angewiesen. In diesem Fall sieht euer Haushaltsbudget natürlich ganz anders aus. Gerade ein Fahrzeug ist ein nicht unerheblicher Posten im Haushaltsbuch.

Ein weiterer großer Posten ist der Familiennachwuchs. Er reißt für mehrere Jahre einen tiefen Graben in deine Geldbörse. Wenn du Kinder bekommst, gibst du dein Geld ganz ohne Zutun für Spielsachen, Kleidung, Kinderzimmereinrichtungen und tausenden von Windeln aus.

So lassen sich noch viele Rechnungen finden die du mal definitiv haben wirst oder ganz sicher nicht, die kommen und gehen, oder dich einfach nur überraschen.

Dein Leben ändert sich. Deine Ausgaben werden steigen und fallen. Entweder aus persönlichem Antrieb, wie dem Erwerb einer eigenen Immobilie oder durch äußeren Umstände, wie ein Arbeitsplatzwechsel in die Nachbarstadt.

Ändern sich die Ausgaben, ändert sich auch deine Risikotoleranz.

 

Grund 4: persönliche Weiterentwicklung

 

Du liest Bücher über Geldanlagen, Blogs über Finanzen und PDFs über Aktienspekulationen. Dein Repertoire an Finanzwirtschaftlichen Wissen steigt.

Du  stellst fest, dass der ganze negative Hype den die Deutschen um die Börse machen, übertrieben ist. Du lernst wie Risiko und Renditeerwartung zusammenspielen. Warum Aktien keine Spekulationsobjekte, sondern Sachwertanlagen sind. Und welche Macht Zeit und Zinsen entfalten können.

Je mehr du dich zu dem Thema Finanzen und private Geldanlage aneignest, desto größer wird auch deine Risikotoleranz. Dein wachsendes Wissen über den Weg des Geldes lässt dich ruhiger schlafen.

 

Grund 5: finanzwirtschaftliche Weiterentwicklung

 

Noch vor 30 Jahren war es sehr umständlich sich finanziell an Unternehmen zu beteiligen. Um Aktien zu kaufen musstest du an der Börse mit irgendeinem Makler telefonieren. Vielleicht hat das auch deine Bank für einen kleinen Obolus erledigt.

Im kommenden Zeitalter des Internets konntest du dir langsam selbst ein Bild von deinen Investitionen machen. Auf die Aussagen von Maklern, Bankern oder Zeitungsberichten konntest du jetzt verzichten.

Deine Sichtweise veränderte sich und somit auch dein Verhältnis zum Risiko. Jetzt warst du selbst in der Lage dir eine Meinung zu bilden und musstest nicht mehr auf Scharlatane hereinfallen.

Die Zusammenstellung eines Aktienkorbes in Form von Fonds war ein weiterer wichtiger Schritt zur Risikominimierung. Durch die Streuung deines Ersparten auf viele Unternehmen war ein Totalverlust nun fast nicht mehr möglich.

Durch die Erfindung von Indexfonds wurde dieses Risiko nochmals deutlich gesenkt. Bei beispielsweise 1.600 Unternehmen im Portfolio, wirst du keine Auswirkungen eines Firmenbankrotts mitbekommen.

Die finanzwirtschaftlichen Entwicklungen an der Technik, an den Möglichkeiten zu investieren und in der Informationsbeschaffung haben bisher ebenso Einfluss auf deine Risikotoleranz genommen, wie deine persönliche Weiterentwicklung, die Höhe deiner Ausgaben, die Höhe deines Einkommens und die Größe deiner Familie.

Diese finanzwirtschaftlichen Weiterentwicklungen helfen dir dabei, deine Risikotoleranz weiter zu senken. Was die Zukunft für uns noch bereithält, wissen wir natürlich nicht.

Warten wir es ab.

 

Fazit

 

 

Dein Leben ändert sich. Ständig.

Morgen kann ein Ereignis eintreten was deine Eingruppierung in einen der Anlagetypen schlagartig ändert. Ereignisse aus den benannten Gründen werden dich früher oder später ereilen. Womöglich kommen im Laufe des Lebens unzählige ungeahnte Vorfälle dazu.

Was tust du in diesem Fall? Deine ganze Anlagestrategie im Klo runter spülen und danach neu anfangen? Der Kosten wegen, wäre das natürlich eine unsinnige Idee.

Die Erkenntnis dass du irgendein Anlagetyp bist, ist absolut irrelevant. Denn morgen bist du ein anderer Anlagetyp und nächstes Jahr wechselst du wieder den Typus.

Wichtig ist das Ziel das du hast. Es wird sich auch unter den meisten Einflüssen nicht ändern.

Der kommende Nachwuchs wird nichts daran ändern, dass du im Alter deinen Lebensstandard halten willst. Genauso wenig wird ein Arbeitsplatzwechsel an diesem Ziel rütteln.

Dein Anlageverhalten nach deiner sich ständig ändernden Risikotoleranz zu richten, macht keinen Sinn.

Richte dein Anlageverhalten nach deinem Ziel aus.

Dein Ziel ist stetig.

Deine Risikotoleranz nicht.

 

David

About the Author

David liebt es einfach vorzugehen. Gerade bei dem Thema Geldanlagen findet er, dass es Unmengen von nutzlose Informationen gibt, die er für dich rausfiltert…

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