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Viele Begriffe und deren korrekte Bedeutung sind in der Wirtschaft und Finanzwelt wichtig. Sie offenbaren das Verständnis von Sinn, Art und Zusammenhängen, ohne sie erklären zu müssen.

Das Verständnis ist Voraussetzung, um die komplexe Welt der Wirtschaft und Finanzen zu verstehen.

Doch in einer sich ständig verändernden Welt verschwimmen einige Bedeutungen. Teils aus politischen Gründen oder wegen undurchsichtigen Verkaufstaktiken von Banken, Versicherungen und anderen Unternehmen.

Das verwirrt insbesondere Amateurinvestoren.

Eines der größten Missverständnisse ist das „passive Investieren“!

Die Diskussion um „aktiv gegen passiv Investieren“ nimmt immer mehr an Fahrt auf.

Dabei spielt einerseits die Strategie des Investierens und andererseits das Anlageprodukt eine Rolle. Beide Seiten werden sorgfältig in die Schublade mit der Aufschrift „Passiv“ gesteckt.

„Passiv investieren“ ist auf dem Vormarsch. Der Zustrom von Finanzmitteln in diese Anlageprodukte wächst von Jahr zu Jahr.

Was allerdings niemand zu ahnen mag: Passives Investieren ist ein Mythos!

 

Was ist passiv

 

Betrachtest du den Begriff für sich allein, wirst du selbst einige erklärende Worte finden, die nichts mit einer Investitionsstrategie zu tun haben können.

Nichts tun.

Keinerlei Beachtung schenken.

Wiki sagt: untätig, teilnahmslos, erduldend, wartend und auch pausierend.

Untätig ist ein Investor bei weitem nicht. Auch angehende Finanzneulinge, die ihr Erspartes endlich aus eigenem Antrieb anlegen, sind weit mehr aktiv, als sie es vorher waren.

 

Was bedeutet passiv investieren

 

Die suggerierte Eigenschaft der passiven Anlagestrategie ist kurz erklärt: Anlegen und dann nichts tun.

Nicht nur das eigene Nichts tun wird als passiv deklariert, sondern auch das Investieren in passive Produkte.

Zu den passiven Anlageprodukten werden insbesondere ETFs gezählt.

So sieht der Investor oder auch Sparer Passivität auf allen Seiten.

 

Die „passive“ Strategie aus Sicht des Anlegers

 

Du kümmerst dich ab sofort selbst um deine finanziellen Angelegenheiten. Dabei kommt dir die passive Strategie sehr gelegen.

Es klingt ja auch sexy, mit dem nichts Tun auf Dauer den aktiven Teilnehmern den Rang abzulaufen.

Gesagt getan.

Da du jetzt der Chef deiner eigenen Finanzverwaltung bist, solltest du Ahnung haben von dem, was du tust.

Also, Bücher gekauft, Blogs gelesen, Kurse absolviert, PDFs runtergeladen und noch ein paar Börsenweisheiten mitgenommen.

Ganz schön viel.

Das macht aber nichts.

Du bist bereit.

Jetzt suchst du dir deine Onlinebank. Bestimmst dein Risikoprofil. Und verteilst deine Asset Allocation, also die prozentuale Verteilung deines Sparvolumens auf die Anlageklassen.

Bei der Suche nach passenden ETFs der gewählten Anlageklasse, fällt dir auf, dass deine Onlinebank so gut wie keine Auswahl hat. Es bleibt einfach nichts übrig, wenn du den „thesaurierend, replizierend, Euro-Währung, Minimum 100Mio Fondsvolumen“ Filter rein haust.

Wieder auf Anfang.

Neue Onlinebank suchen. Mit mehr Angebot.

Sagen wir, es hat alles geklappt.

Du hast eine Bank.

Deine ETFs sind gewählt und der Sparplan eingerichtet.

Jetzt sollst du noch jedes Jahr rein schauen und die prozentuale Verteilung wieder herrichten. Deine oben genannte Asset Allocation wieder gerade biegen.

Rebalancing genannt.

Und wie du so dabei bist, die teuren Anteile zu verkaufen und die billigen nachzukaufen, fällt dir was auf. Da liegt etwas Geld auf deinem Verrechnungskonto.

Ein ausschüttender ETF wirft Dividenden auf dein Konto.

Was machst du damit?

Du kannst es für das Rebalancing nutzen. Oder zurück in den ETF stecken. Einen neuen ETF suchen. Vielleicht gehst du auch einfach nur davon nett Essen.

Aber irgendwie fängt das alles von vorn an. Nach einem Jahr oder mehr, hast du das Meiste vergessen.

Du musst wieder nachlesen, dir Infos einholen, und so weiter.

Für Anfänger nicht leicht. Auch wenn die Abläufe nach einigen Jahren drin sind.

 

Die „passive“ Strategie aus Sicht der Anlage

 

Aus Sicht der Anlage sieht es ähnlich aus. Viele glauben, hier macht keiner mehr etwas.

Fondsmanager existieren nicht.

Teilweise gehen die Vermutungen rum, dass Computer alles managen.

Gewiss: 

Die Abläufe sind vereinfacht. 

Unternehmensbewertungen fallen nicht mehr im großen Umfang an. 

Indexstrategien können mit Hilfe von Programmen einfacher ausgewertet werden.

Dennoch existieren Fondsmanager. Sie halten den ETF auf Kurs, so dass der Wertpapierkorb, dem Index gleicht.

Das funktioniert nicht immer. Gerade bei sehr großen Indizes macht es oft weniger Sinn, einen Wert tatsächlich einzukaufen. Zum Beispiel wenn dieser nur eine Gewichtung von 0,01% im Index hat. Die Kosten würden dem Mehrwert übersteigen.

In diesem Fall versucht das Management die Angleichung so gut wie möglich zu erreichen, ohne den Index zu 100% umzusetzen (teil-repliziert genannt).

Die Aktivität steigt noch weiter.

Zwar nicht auf Ebene der einzelnen ETFs, aber auf Ebene der Vermögensverwalter. Das Engagement, das Stimmrecht als Aktionär wahrzunehmen wächst immer weiter.

Als Käufer von ETF-Anteilen erhältst du zwar die zugrundeliegenden Aktien, gibst aber dein Stimmrecht an den Vermögensverwalter ab. Bisher hat der Verwalter weniger Gebrauch von diesem Recht gemacht.

ETF Anbieter kommen allerdings immer mehr zu der Erkenntnis, dass sie anlegerunfreundliche Unternehmenspraktiken nicht länger hinnehmen. Dabei spielt es auch eine große Rolle, dass der ETF nicht einfach ein Unternehmen auswechseln kann. Er bildet ja den Index stur nach.

Und da kommt das Stimmrecht ins Spiel. Die Macht der Stimme wächst immer mehr. Gerade bei den großen Verwaltern, wie BlackRock, ist der Stimmanteil sehr recht hoch.

Welche Aufgaben übernimmt das ETF Management noch?

– die Abwicklung von Investitionen
– periodische Neugewichtung des ETF
– Research und Bewertungen insbesondere bei Faktor ETFs
– Kundensupport, um die Investitionen der institutionellen Anleger, wie Pensionsfonds oder Versicherungen, sicherzustellen, bzw. weitere Investitionen zu sichern

Und noch viele mehr.

Das weicht sehr von dem üblichen Verständnis ab, ein vollautomatisiertes passives Anlageobjekt darzustellen.

 

Die paradoxe Verhaltensweise von Experten und Investoren

 

Angehende Privatanleger tun sich bei der Einrichtung eines ETF Depots schwer.

Welche Asset Allocation wähle ich?

Welche ETFs sind die beste Wahl zur Umsetzung?

Zum Glück gibt es Experten, die dem zukünftigen passiven Anleger mit teuren „Wie investiere ich Geld in ETF“-Kursen in eine absolut passive Welt des Investierens ziehen.

Dem Ahnungslosen wird zielgerichtet gezeigt, wie er die allerbeste wissenschaftlich bewiesene Verteilung seiner Investitionen auf die Anlageklassen vornimmt.

Welche der verfügbaren ETFs, mit den korrekten griechischen Kennzahlen, die idealste Lösung darstellt.

Welche Faktorlösung in unserer heutigen unruhigen Welt, die krisensicherste ist.

Und wie der Anleger sich jährlich, oder halbjährlich (oh Gott, ich habe auch schon irgendwo von vierteljährlich gelesen) in sein Portfolio einhackt, um Anteile zu kaufen und zu verkaufen. Natürlich unter dem Deckmantel des Rebalancing.

Und hier ist es nicht zu Ende.

Das Feintuning am eigenen Portfolio nimmt ungeahnte Ausmaße an. Ständig neue wissenschaftliche Publikationen, Experten-Backtestings und modernere Berechnungen von Indexzusammensetzungen, zwingen das Investmentduo (Meister und Schüler) zur dauerhaften Neujustierung der eigenen Portfolios.

Ernsthaft?

Wie wird diese Strategie angegangen, wenn nicht aktiv?

Der zugrundeliegende Anlagewert ist ein aktiver Wert.

Der Anleger handelt aktiv.

Die Experten drängen den Anleger zur Aktivität.

Statt Stockpicking, also die Wahl einer einzelnen Aktie, wird nun Indexpicking betrieben.

Die aktive Wahl von der Aktie, wird nun zur aktiven Wahl eines Index.

 

Passivere Methoden als „passives investieren“

 

Bei der Wahl einer Geldanlage bieten sich viele Möglichkeiten.

Einige Anleger sind passiver als die Anhänger der „passiven Investmentstrategie“.

Wie die Anleger, die nur Unterschriften unter ihre Bank- oder Versicherungsprodukte setzen. Der Vertragspartner wird dann in der Regel alle weiteren ToDo´s für den untätigen Kunden erledigen.

Unterschreiben.

Dann bist du fertig mit der Aktivität.

Menschen die nicht mal ihrer Bank das eigene Geld anvertrauen und ihr Geld lieber unter dem Kopfkissen „anlegen“, sind ebenfalls recht passiv. Einzig die Wahl der Assetklasse, Seersucker oder doch besser Satin, könnte hier zum Problem werden.

Unter packen und fertig mit der Aktivität.

Dann soll es auch Menschen geben, die mit ihrem Geld nichts tun. Außer es verkonsumieren. Das wäre dann wohl das High-End-Level der Passivität.

Nicht gerade schlau, aber das Geld in Derivate zu verwandeln, wäre noch dümmer.

 

Die Lichtgeschwindigkeit

 

Der gesamte Finanzmarkt umfasst unzählige Billionen Euro.

Hier bekommst du einen kleinen Abriss über die Geldmenge in den einzelnen Asset Klassen. (http://money.visualcapitalist.com/worlds-money-markets-one-visualization-2017/)

Die wirklich reinste Art den Gesamtmarkt passiv darzustellen, wäre ein Abbild aller Asset Klassen in marktkapitalisierter Gewichtung. So wie in Money Visualcapitalist dargestellt.

Ohne eine bestimmte Gewichtung der Marktanteile vorzunehmen, investierst du dein Geld in den Gesamtmarkt.

Du wählst nicht.

Du nimmst hin, was dir der Gesamtmarkt gibt.

Keine Wahl von Index, von Asset Klassen, von Währungen, Branchen, Ländern, Unternehmen, oder sonstigen Geldanlagemöglichkeiten.

Das ist Passives Investieren!

Dies setzt natürlich Investitionen in Milliarden Höhe voraus. Oder noch viel mehr.

Und zwar sofort. Mit dem ersten Anteil im Portfolio.

Nicht nur wegen der Investitionshöhe wird es unmöglich sein, auch der Aufwand ist kaum auszudenken.

Wie soll der Investor in jeden einzelnen Wert dieser Welt, marktkapitalisiert Geld anlegen?

Mir fällt da zumindest keine Idee ein.

Also bleibe ich dabei: Es ist nicht möglich!

Du kannst dich so gut es in deiner Macht steht, dem perfekten Zustand annähern, du wirst ihn aber niemals erreichen.

[bctt tweet=“Passiv Investieren ist wie die Lichtgeschwindigkeit, ein Zustand den wir nie erreichen können.“ username=“@Depotacademy“]

 

Denn selbst unter allen technischen und physikalischen notwendigen Voraussetzungen, wäre es uns unmöglich diese Geschwindigkeit zu erreichen.

Mit der Auswahl der dir machbaren Abbildung des Marktes, wirst du ein aktiver Anleger.

Du wählst aktiv dein Marktsegment.

 

Die Skala des aktiven Managements

 

Eine aussagekräftigere Beschreibung unterschiedlicher Investmentstrategien bzw. Handlungsweisen, ist die Skala des aktiven Managements.

 

 

Die Idee der Skala stammt von Cullen Roche, Gründer von Pragmatic Capitalism. Sie ist einfach und nennt die Handlungsweisen der Investoren nach Aktivität. Je smarter ein Investor ist, desto weniger handelt er. Besser gesagt er ist smarter, weil er weniger handelt. Er spart Gebühren und ist Steuereffizient.

Die Skala zeigt noch etwas mehr. Kein kategorisierter Investor ist passiv. Jeder ist aktiv. Die einen sind „dumb activ“ und die anderen sind „smart activ“. Auf jeden Fall aber aktiv.

 

Fazit

 

Wenn ich Fairtrade Schokolade kaufe, dann will ich Fairtrade Schokolade haben. Und nicht nur fast Fairtrade.

Wenn ich in Südafrika Urlaub machen möchte, will ich nicht in Botsuana hängen bleiben. Nur weil es nah dran ist.

Wenn es nicht das ist, was es bezeichnet, dann ist es falsch bezeichnet.

Passives Investieren funktioniert nicht.

Es ist ein Mythos!

Ein Zustand des Investierens, den wir nicht erreichen können.

Es ist ein sexy Begriff, der sich besser verkaufen lässt.

Mehr nicht.

Sei ein smarte Anleger und kein passiver Anleger. Den gibt es nicht!

Investiere in ETFs, aber mit der Buy and Hold Strategie und nicht mit der passiven Strategie. Die gibt es nicht!

Wenn du weißt, dass du aktiv dein Geld anlegen musst, wirst du auch nicht überrascht sein, dass du aktiv dein Geld anlegst.

Du fühlst dich nicht mehr überfahren, wenn du merkst, dass deine Geldanlage mehr Aktivität von dir abverlangt als jemals zuvor.

Nenne die Dinge beim Namen, so wie sie sind.

Sei aktiv, aber smart.

 

David

About the Author

David liebt es einfach vorzugehen. Gerade bei dem Thema Geldanlagen findet er, dass es Unmengen von nutzlose Informationen gibt, die er für dich rausfiltert…

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